Siquijor. Paradies in den Philippinen

Waterfälle Siquijor

Mein Lieblingsort!
Hi, ich bin Lena von Lena On The Move! Auf meinem englischsprachigen Blog schreibe ich schon seit Jahren über meine größten Leidenschaften, das Reisen und Tauchen. Während meiner Trips entdecke ich immer wieder wundervolle Orte, aber einige stechen deutlich heraus. Für mich ist dabei eine bestimmte Kombination an Faktoren entscheidend: neben Palmen, aussichtsreichen Orten über Land und einer bunten Unterwasserwelt, sind das vor allem die Menschen und mein persönlicher Zweck vor Ort. …und am Ende natürlich ein gehöriges Stück Zufall.

Siquijor. Mein Lieblingsort!

reiseziele

Ein Paradies in den südlichen/zentralen Philippinen. Das ist Siquijor.

Die Leute sagen, der erste Eindruck ist der wichtigste. Wenn das auch für Orte gelten würde, wäre ich vermutlich kein zweites Mal an meinen Lieblingsort gereist… und hätte ihm ziemlich Unrecht getan.

Im südlichen Zentrum der Philippinen liegt ein kleines Stück Erde zwischen den größeren Inselmassen – die Insel der Heiler, Siquijor (sprich: Sikihoor) Island. Die meisten Touristen, die die Philippinen bereisen, sind entweder auf Entdeckungstour oder haben sich schon vor Zeiten in dieses vielseitige Land verliebt. Anfang 2017 habe ich noch zur ersten Gruppe gehört, heute schlägt mein Herz zur letzten.

schönste ort der welt

Siquijor. Die Insel der Gegensätze

Damals war ich gemeinsam mit meiner Freundin auf einer open end Backpackingreise – und die Philippinen unser selbstgewähltes Tor nach Südostasien. Wir hatten bereits den gröbsten Kulturschock hinter uns und schon sehr vielseitige Eindrücke gesammelt, als wir nach 7 Wochen das erste Mal auf unserer Insel der Gegensätze angekommen sind. Um fair zu sein, es war nicht der allererste Eindruck, der den Tiefpunkt dieser Inselerfahrungen markiert hat, doch definitiv ein bleibender: in unserem Hostel gab es ziemlich Stress. Nicht nur die Mitarbeiter waren sich untereinander nicht grün, auch zwischen Gästen und dem Management gab es immer wieder Streitigkeiten. Hinzu kam noch, dass meine Freundin mit einer starken Erkältung die meiste Zeit unseres Aufenthalts im Bett verbrachte, sodass ich oft allein on tour war und die paar schönen Sachen, die ich dort erlebte, nicht mit ihr teilen konnte. Als es ihr am letzten Tag endlich besser ging, beschlossen wir eine ausgedehnte Inselumrundung mit dem Motorrad zu machen. Dieser Tag war zur Abwechslung wirklich wundervoll, bis wir auf dem Rückweg einen Motorradunfall hatten. Und auf die Verursacher konnten wir nicht mal böse sein – es waren vier zuckersüße Welpen, die plötzlich vor uns die Straße überquerten und mich in letzter Sekunde zum Ausweichen zwangen. Die Wunden vom Motorradunfall waren schon gut verheilt als ich etwa einen Monat später nach Siquijor zurückkehrte. Ihr fragt euch sicher gerade, warum in aller Welt ich dorthin zurückgekommen bin? Nun, daran ist eigentlich ein Mensch Schuld, den ich während der verrückten Tage meines ersten Aufenthalts kennengelernt hatte. Er gab mir als Inhaber eines Tauch-Centers auf Siquijor kurzerhand einen Job als Divemaster und Digital Marketer. So eine Gelegenheit konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen, und so beschloss ich, der Insel eine zweite Chance zu geben. Tag ein, Tag aus arbeitete ich zusammen mit seinem Filipino-Team vor Ort: einem hochmotivierten jungen Bootsmann, einer liebenswürdigen Sekretärin und einem entspannten Boots-Captain. Nachts schlief ich in einem kleinen Zimmer gegenüber der Dive Center-Küche, bewacht vom Center-eigenen Bodyguard, der tagsüber die Tauchgäste und Crew mit Chicken Adobo bekochte. Was anfangs noch ungewohnt war, wurde schnell zu meinem neuen Alltag.
tauchen in Siquijor

Schon bald nahmen mich die philippinischen Kollegen mit zu Grillabenden, Karaokenächten und den traditionellen sonntäglichen Hahnenkämpfen. Sogar zu Familienfesten luden sie mich ein. Dort gab es dann viel San Miguel Bier und zur Feier des Tages meist ein oder mehrere ganze gegrillte Schweine – das nennt man übrigens Pork Luchon. Ich wuchs jeden Tag ein Stück mehr in die philippinische Kultur hinein, aß inzwischen auch zum Frühstück schon Reis und lernte den ein oder anderen hilfreichen Satz in Visayan, der lokalen Sprache auf Siquijor. Ich wurde ein Teil der lokalen Community und die Community wurde ein Teil von mir. Vor allem aber lernte ich dadurch die Insel von einer Seite kennen, die man als Reisender in der Regel nicht sieht. Orte bekamen für mich einen persönlichen Bezug. Und irgendwann hatte ich mir eine eigene kleine Welt aufgebaut mit allem was man so braucht.

Wenn ich nicht gerade Gäste auf dem Boot oder Unterwasser bespaßte oder im Büro des Dive Shops an einer Marketingstrategie arbeitete, erkundete ich oft auf meinem knatternden Roller die Insel. Dabei lernte ich dann vor allem die unglaubliche Vielseitigkeit Siquijors zu schätzen.

Waterfälle Siquijor

Siquijors Natur

Man mag es kaum glauben, aber die Natur dieser kleinen Insel ist wirklich abwechslungsreich und atemberaubend schön. Es gibt Wasserfälle mit klaren, blauen Pools inmitten des Dschungels, bei denen man sich mit einer Liane wie Tarzan ins erfrischend kühle Wasser schwingen kann. Die Berge im Zentrum der Insel bieten tolle Wandermöglichkeiten und sogar eine Höhle, die man mit einem lokalen Führer für wenig Geld erkunden kann. Besonders beliebt bei den Touristen sind natürlich auch die paradiesischen, nicht überlaufenden Strände rund um die Insel.

Tipp
Die wohl schönsten Sandstrände findet man übrigens im Süden der Insel – meine Empfehlung: Paliton Beach oder Solangon Beach nahe San Juan. Dahingegen ist der Nordosten mit seinen Steilklippen, von denen man optimal ins Meer springen kann, bei Adrenalinjunkies besonders begehrt.

Nicht zu vergessen ist auch die Natur, die man unmittelbar vor der Küste Siquijors findet. Reiche
Korallenriffe mit einer unglaublichen Artenvielfalt, gesunkene Inseln und Unterwasser-Canyons mit Tunneln und Höhlen bieten vielen Meeresbewohnern ein perfektes Zuhause. Zum Beispiel trifft man hier beim Schnorcheln und Tauchen regelmäßig Meeresschildkröten, kleine Nemos und Doris, Flötenfische, Rochen, und, meine persönlichen Lieblinge, die Kugelfische. Auch Makrotaucher kommen in Siquijors Riffen voll auf ihre Kosten und können sowohl bei Tag- als auch Nachttauchgängen verschiedene Spezies der Garnelen und Meeresnacktschnecken beobachten.

Siquijors Kulinarik

Ein weiterer Punkt, den ich auf Siquijor sehr genoss: das Essen. Neben einer Vielzahl von tollen Restaurants, die sich beim Zubereiten der philippinischen Klassiker, wie Chicken Sweet-Sour oder Squid Sizzling, gegenseitig übertreffen, gibt es vor allem viele kleine lokale Cafés und Bistros mit Straßenverkauf.

Die Cafés nutzte ich häufig, um bei einer Tasse brewed coffee (ja, das ist selten auf den Philippinen) und mit Blick aufs Meer gemütlich zu arbeiten. Die Barbecue-Places am Straßenrand sind bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt. Für umgerechnet 2 € pro Person, kann man sich sein Fleisch und seinen Fisch selbst aussuchen. Das wird dann gegrillt und zusammen mit einer Portion Reis, Soja-Soße und Calamansi (eine Art Limette) serviert.kulinarik aud siquijor

Siquijors Kultur

Sehr beeindruckt hat mich während meines gesamten Aufenthalts allerdings die unvergleichliche Inselkultur der Filipinos. Während in den touristischeren Orten, wie San Juan, Siquijor Town, Lazi oder Larena, die meisten Einheimischen im Tourismussektor arbeiten und das etwas modernere, internationale Leben mitbekommen, findet man tief in den Bergen die inländischen, seit Generationen dort ansässigen und noch immer praktizierenden Heiler. Diese werden nicht nur von allen Inselbewohnern sehr geschätzt, sondern auch regelmäßig aufgesucht, wenn beispielsweise Familienmitglieder krank sind oder man sich für eine bevorstehende Aufgabe nochmal eine Portion Kräfte abholen möchte. Die Kultur dieser Medizinmänner und -frauen ist durchaus ein bisschen mystisch, aber auch bodenständig und irgendwie einzigartig. Während eines einwöchigen Healer- Festivals, das immer in der Holy-Week, also der Woche vor Ostern stattfindet, feiern die Filipinos ihre Heiler. Dazu kommen auch viele Landsmänner und -frauen aus anderen Regionen der Philippinen, um sich einmal von den Heilkünstlern verzaubern zu lassen.

healer festivalWenn ich Siquijor also in seiner Gesamtheit beschreiben soll, ist es für mich die Balance, die in diesem Ort verborgen liegt und ihn so besonders macht. Die Balance zwischen Moderne und Tradition, zwischen Luxus und Einfachheit, umrahmt von atemberaubender Natur, Sonnenuntergängen und nicht zuletzt der Herzlichkeit seiner Bewohner.